Am Beginn des 21.
Jahrhunderts ist ausreichend Wissen vorhanden,
um den nun schon nahezu ewigen Kreislauf zu
vollenden. Doch wer ist in der Lage, die Weichen
zu stellen?
.
Es liegt in der Natur
wissenschaftlicher Innovationen, dass für
grundsätzlich neue Möglichkeiten keine etablierten
Vorgehensweisen existieren. Zudem
fällt die Prüfung solcher Fragestellungen häufig
weder eindeutig in den Kompetenz- noch in den
Verantwortungsbereich einer einzelnen Person
oder Institution. Es gibt auch keinen akuten
Handlungsbedarf. Oder sollten wir
dieses Spiel, das in Wirklichkeit gar kein Spiel
ist, noch einige Generationen
weiterdrehen? Keine leichte Entscheidung! Die gegenwärtigen
wissenschaftlichen und institutionellen
Rahmenbedingungen erschweren möglicherweise eine
zeitnahe Auseinandersetzung mit der Fragestellung.
Da wird man wohl auf die nächste Generation warten
müssen. Wären Aristarch von Samos, Kopernikus,
Galilei, Kepler und auch Newton nicht mutig genug
gewesen, entgegen dem vorherrschenden Weltbild
ihre Erkenntnisse zu veröffentlichen, dann würde
sich die Sonne heute noch um die Erde drehen.
Ebenso wäre die Entwicklung des Menschen kaum
denkbar gewesen, wenn unsere evolutionären
Vorfahren ihre angestammten Lebensgrundlagen nicht
ständig hinterfragt hätten. Wären unsere Vorfahren
zu feige gewesen, von den Bäumen
herunterzuklettern, würden wir vielleicht heute
noch auf den Bäumen leben.
Max Planck, Physiker und
Nobelpreisträger, beschrieb rückblickend eine
Erfahrung seines wissenschaftlichen Lebens mit
den Worten: "Eine neue wissenschaftliche
Wahrheit pflegt sich nicht in der Weise
durchzusetzen, dass ihre Gegner überzeugt
werden und sich als belehrt erklären, sondern
vielmehr dadurch, dass ihre Gegner allmählich
aussterben und dass die heranwachsende
Generation von vornherein mit der Wahrheit
vertraut gemacht ist."
Etwas eigenartig ist
dieses Verhalten in der Wissenschaft schon. Bei
den Maurern, Malern und Fliesenlegern z.B. ist das
nicht so. Da werden tragfähige Erkenntnisse in
angemessener Zeit umgesetzt. Auch bei der
städtischen Müllabfuhr ist ein solches Verhalten
undenkbar. Neue Erkenntnisse über die
Abfallwirtschaft im städtischen Bereich werden
nicht so lange zurückgehalten, bis die
gegenwärtige Generation von Müllmännern
ausgestorben ist. Warum haben Handwerker weniger
Schwierigkeiten, entgegen eingefahrenen
Denkschemen neue Erkenntnisse über ihren
Wahrheitsgehalt zu hinterfragen und
gegebenenfalls umzusetzen als die
Wissenschaft? Wenn selbst Max Planck diese
Erfahrung in seinem eigenen wissenschaftlichen
Leben machen musste, stellt sich die Frage, ob die
wissenschaftlichen und institutionellen
Rahmenbedingungen tatsächlich gewährleisten, dass
grundsätzlich neue Erkenntnisse zeitnah geprüft
werden.
Wie auch immer - so oder so -
irgendwann geht die Sonne auf. Wenn nicht noch
während dieser Generation, dann vielleicht schon
bei der nächsten Generation.